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12.6.14

Soylent Green

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Wenn ich über so etwas stolpere, weiß ich gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Na, jedenfalls unterhielt ich mich gerade mit Freunden über den ersten Ökodystopie-Film “Soylent Green”, entstanden nach der Romanvorlage “New York 1999”. Es geht im Grunde um die Welt von heute: Komplett überbevölkert, wenige Superreiche haben Spaß, der Rest der Menschheit wird mit Fabriknahrung am Leben erhalten und Demonstrationen beenden Schaufelbagger. "Soylent Green" heißt das Produkt, welches das Prekariat im Jahr 2022 ernährt, und es besteht nicht aus Plankton, wie der Hersteller sagt, sondern aus … Aber das schaut ihr euch mal am Besten selbst an: Link.

War ja klar, dass jemand unter diesem Namen (Soylent) eine Plörre entwickelt, die den Salatteller überflüssig machen soll. Schönes Detail: Die URL lautet Soylent.me, was noch eindeutiger ist (wenn man den Film kennt). Statt grünen Keksen gibt es eine beigefarbene Ursuppe, die alles enthält, was man so braucht. Das allerkaputteste daran: Dieses Convenient-Produkt wurde von der Crowd mit 3.000.000 Dollar vorfinanziert. Das ergäbe eine schöne Fortsetzung des Films von 1972:  **** SPOILER! **** Man frisst sich nicht nur (unwissentlich) selbst und bezahlt dafür, nein, man investiert auch voller Vorfreude in die Firmengründung!

10.6.14

Kältemischungen

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Heute waren es 34° in Hamburg, da passt das doch wie die Faust aufs Auge: Denn wenn die Limonade pi-warm wird, ist man im Team ZEUK natürlich gerüstet. Mitmenschen mit Gastro-Erfahrung kennen den Kochsalz + Eiswürfel-Trick (Mischungsverhältnis ca. 1:3), es gibt aber noch andere "Kältemischungen". Viel tiefere Temperaturen erreicht man zum Beispiel mit Ethanol & Trockeneis (festes Kohlenstoffdioxid, CO2): Da bewegen wir uns dann schon bei bis zu 90° Grad Minus und können z.B. Blumen wie in flüssigem Stickstoff schockfrosten. Um zu Hause Speiseeis herzustellen, reicht aber schon die Kochsalz-Nummer.


3.6.14

Duct Tape Island!

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DuctTapeIslandDie beste Mythbusters-Folge? Na, auf jeden Fall über YouTube nicht zu finden, zumindest nicht in guter Qualität. Beim französischen Dailymotion ist das überhaupt kein Thema – wer also Adam und Jamie in 720p zusehen möchte, wie sie sich mit Duct-Tape (bei uns eher als Gaffer-Tape bekannt) einen Karibikurlaub verschönern… Biddeschööön:


MYTHBUSTERS 2012 - DUCT TAPE ISLAND - Discovery...

Zum Thema Duct-Tape und was es so erfolgreich macht, folgen morgen noch weitere Details. Und was man mit Sekundenkleber alles anstellen kann, habe ich ja bereits hier beschrieben.

15.3.14

Dehydrieren

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jerky
Leider geil: Beef Jerky. Das weiß auch die GameTube/High5-Redaktion. Die drei investieren in dem Video 100 Dollar in eine Einkaufstüte Trockenfleisch. Mal gucken: Bei Amazon kosten 2 Tüten 8,09€, also fast 60 Euro pro Kilo. Guten Morgen. Kann man dieses Grundnahrungsmittel selbst machen? Logn. Das geht mit einem Dehydrator, in einem Backofen (schönes Rezept) und zur Not mit ‘nem Lüfter oder auf einer Heizung. Doch wer ein paar Kilo produzieren will und Platz hat, macht das einfach so, wie das seit Jahrtausenden gemacht wird: An der frischen Luft.

11.8.12

Elektro-Umrechnungsrad

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Für den einen oder anderen vielleicht ganz hilfreich: Eine selbstgestrickte Übersicht, die hilft, vier elektrische Grundeinheiten zu ermitteln. Wenn also auf einem Handy-Netzteil “5V” und “0.7A” steht, wisst ihr nun, dass das Smartphone 5 x 0,7 = 3,5 Watt während der Aufladung verbraucht. Und wenn man das weiß, kann man einen Windgenerator bauen, der diese Leistung erzeugt – siehe vorheriges Posting… ;-)

Leistung berechnen

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Naturwissenschaft kann so verdammt einfach sein, wenn man mal die ganze Korinthenkackerei weglässt. In den USA weiß man das schon lange, daher sind die meisten einfachen, pragmatischen Anleitungen auf englisch. Wer damit jetzt überfordert ist - hier ein paar, z.T. ergänzende, Infos zum Thema:
Um die Leistung zu berechnen, braucht man für dieses Experiment ein Gewicht, das hochgezogen werden soll. Mit Gramm oder Kilo wird man hier jedoch nichts, für die Berechnung benötigt man die Kraft, die notwendig ist, um das Gewicht zu heben. Die misst man in Newton. Im Video kommt ein Newtonmeter zum Einsatz, das braucht man aber nicht. Viel einfacher ist diese Formel:

Kraft (Newton) = Gewicht (kg) x Erdanziehung (g = 9,81 m/sec²).

10g (0,01 kg) ergeben beispielsweise 0,0981 Newton; für 123g müssen 1,20 Newton aufgewendet werden (123/1000 x 9,81). Anschließend kann die Arbeit in Joule berechnet werden:

Arbeit (Joule) = Kraft (Newton) x Strecke (Meter).

Im Video wird dazu einfach ein Bindfaden mit dem Gewicht aufgespult. Die zurückzulegende Strecke wird vorher gemessen. Im Beispiel sind das 2,5 Meter. Schafft es das Windrad, das Gewicht auf 2,5 Meter hochzuziehen, verrichtet es (mindestens) eine Arbeit von ... Joule. Bei 1,20 Newton und 2,5 Metern also beispielsweise 3 Joule. Nun lässt sich die Leistung in Watt ermitteln:

Leistung (Watt) = Arbeit (Joule) / Zeit (Sekunden).

1 Watt = 1 Joule pro Sekunde; bei 3 Joule und einer Zeit von 9 Sekunden (siehe Video) ergibt das 0,33 Watt. Die Kurzformel, die alle obigen Schritte zusammenfasst:

Leistung = Gewicht x 9,81 x Strecke / Zeit (in unserem Beispiel: 0,123 x 9,81 x 2,5 / 9)

Flink in eine Excel-Tabelle eingefügt, kann man mit den Werten herumspielen und sieht: Um die für ein Handy-Netzteil typischen 3,5 Watt (5 Volt, 0,7 Ampere) zu generieren, müssten zwei Kilo in zirka elf Sekunden auf zwei Meter Höhe gehievt werden.

8.8.12

DIY-Batterie (1)

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Ein wunderbares Beispiel das zeigt, wie viel Energie uns umgibt und selbst in etwas Essig und einigen Münzen steckt. Diese Nutzung hat der junge Mann das natürlich nicht erfunden. Das war der Physiker Alessandro Volta, der 1800 mit seinem Vorläufer unserer Batterien, der Voltaschen Säule (PDF), eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte machte – 20 Jahre nachdem der Anatom Luigi Galvani während eines Experiments bemerkte, dass Froschschenkeln zucken, wenn sie mit Kupfer und Eisen in Berührung kommen.

Galvani erzeugte unwissentlich aus zwei unterschiedlichen Metallen und einem Elektrolyt* („Salzwasser“ im Froschschenkel) einen Stromkreis. Er erkannte die Zusammenhänge nicht, legte aber die Grundlage für die Entwicklung Galvanischer Zellen durch Alessandro Volta. Wichtig fürs Verständnis: Die Elektrochemische Spannungsreihe.

*Elektrolyt = Stoffe, die zumindest teilweise als elektrische geladene Atome/Moleküle (Ionen) vorliegen. Beispiel: Essigsäure (schwaches Elektrolyt) oder gelöstes Kochsalz (starkes Elektrolyt). Die wichtigsten Elektrolyte sind entweder Säuren, Basen oder Salze.

Der Vollständigkeit halber hier noch der Hinweis auf einen anderen Energiespeicher, der bereits 1745 entdeckt wurde: Der Kondensator (in Form der “Leidener Flasche”). Das ist allerdings im Gegensatz zur Batterie ein physischer und kein chemischer Speicher.

30.5.11

Kondensatoren

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Für Laien wie mich ist es dann doch überraschend, wie "alt" Erfindungen wie der Kondensator sind. Er stammt aus keinem Reinraumlabor des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern wurde 1745 in Form der "Leidener Flasche" von dem Domdechanten Ewald Jürgen Georg von Kleist in Cammin/Pommern (und ein Jahr später vom Physiker Pieter van Musschenbroek in Leiden) erfunden bzw entdeckt. Die älteste Bauform dieses Speichers elektrischer Energie (bzw. Ladung) besteht aus einem Glasgefäß (Isolator bzw. Dielektrikum), das innen und außen mit Metallfolie belegt ist (Elektroden). Im Gegensatz zur (chemischen) Batterie können auf diesem physikalischen Weg sehr hohe Ladungen gespeichert und blitzschnell wieder abgegeben werden. Blitzlichter oder Taser werden z.B. von starken Kondensatoren gespeist (die vorher von Batterien aufgeladen wurden). Kein Wunder, dass man aus einem Blitzlicht einen Taser machen kann. Oder sogar einen 300V-Handschuhschocker! Versorgt durch eine einzige AA-Batterie! Aber das nur am Rande.

Hier noch ein schönes PDF mit etwas Geschichte der Elektrizität. Die Leidener Flasche (uä Geräte) wurden zunächst zur Demonstration von Stromschlägen („Kleistscher Stoß“) eingesetzt. Erst später als Stromquelle für naturwissenschaftliche Experimente: Benjamin Franklin verband eine Leidener Flasche über einen Draht mit einem Drachen, den er in den Himmel steigen ließ, um die Ladung von Gewitterwolken auf eine Leidener Flasche zu übertragen - u.a. verewigt im Klassiker "Day of the Tentacle":

Um zum Beispiel eine Tesla-Spule - und damit eventuell eine Lichtenberg-Skulptur - herzustellen, braucht man viele Volt und genau die kann man in einem Kondensator speichern. Die Herstellung ist einfach, aber nicht ungefährlich. Auch hier die Warnung, dass solche Experimente nichts für Einsteiger sind! Grundsätzlich reicht aber eine Glasflasche, die mit einer gesättigten Salzlösung gefüllt und mit Alufolie umwickelt wird. Auch eine PET-Flasche funktioniert. Oder man rollt Mülltüten und Alufolien zu einem Wickelkondensator auf. Oder man tränkt über Nacht Bierdeckel in Motoröl um einen Plattenkondensator herzustellen. Wer richtig Wumms braucht, schaltet ein paar Flaschen in Reihe (ein anderes Beispiel).

Zu eurer eigenen Sicherheit solltet ihr euch DIESE Infos aber noch mal gut durchlesen. Alles weitere seht ihr im Video oben, das macht der Collin schon ziemlich gut, allerdings auf englisch. Weitere Einsteiger-Videos von ihm: Der Widerstanddie LEDdie Spule... Ach, guckt doch einfach alle an: Die "MAKE presents"-Videos gibt's hier als Playlist.

5.12.10

Taschenwärmer

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Noch ein Beitrag zum Thema "Wärme ohne Feuer" und einer, der in die Jahreszeit passt: Taschenwärmer. Zum Glück existieren neben den eher langweiligen benzin- oder kohlebetriebenen Methoden auch ein paar "magische" Varianten. Zum Beispiel der Aktivkohlewärmer. Die kommen als Massenprodukt aus Japan (MyCoal), sowas kann man aber auch ganz einfach selbst herstellen! Man braucht:

16g Eisenpulver
3g Aktivkohle (keine Holzkohle!)
3g Kochsalz
5ml Wasser

oder ein ähnliches Mischungsverhältnis. Unter Luftabschluss passiert gar nichts. Kommt jedoch Sauerstoff hinzu, erwärmt sich die Masse auf bis zu 70° und das für ca. 6-12 Stunden. Der Witz an der Sache: Wird die Luftzufuhr gesperrt, stoppt auch die exotherme Reaktion, der Handwärmer kühlt ab. Lässt man erneut Luft an die Paste, oxidiert das Eisen wieder. Am Ende hat man dann im Grunde Rost (Eisenoxid) in der Tasche. Und den kann man ja später brauchen, um Thermit herzustellen (wo aus Eisenoxid dann wieder Eisen wird!) An der Pädagogischen Hochschule St. Gallen wurde die Reaktion in so einem Beutel ganz genau untersucht (PDF). Eisenpulver gibt's zB hier (1kg = 15,60€, viel billiger als 100g!) oder hier (250g = 3,60€). Aktivkohle kann man recht günstig im Tierhandel bekommen, es wird zur Reinigung des Wassers in Aquarien gebraucht. Wer nicht basteln will, kauft sich entweder ein Wärmepflaster oder einen Aktivkohlewärmer aus dem Bergsportbedarf

Eine andere Wärmequelle  hat wieder mit unseren vielseitigen Freunden, den Salzen, zu tun. Diese sogenannten "Latentwärmespeicher" enthalten eine "unterkühlte Schmelze" - eine Flüssigkeit, die sich unterhalb ihrer Schmelztemperatur befindet. D.h. sie sollte eigentlich gar nicht flüssig sein (wie Wasser unter 0° zB siehe Video). Wie stellt man so etwas her? Die Löslichkeit von Stoffen in Wasser ist temperaturabhängig: In heißem Wasser kann mehr von dem Salz Natriumacetat gelöst werden als in kaltem. Kühlt die Flüssigkeit ab, entsteht eine übersättigte Lösung. Die ist metastabil - schon ein Fingertippen, “Knacken” mit einem Metallplättchen oder Staub, der auf die Oberfläche fällt, kann die Kristallisation auslösen. Dabei wird jene Energie frei, die zuvor in die Erwärmung der Flüssigkeit (bzw. dem Auflösen des Kristallgitters) investiert wurde. Zu Herstellung braucht man:

200ml destilliertes Wasser

Das Salz wird bei ca. 60° vorsichtig im Wasser aufgelöst. Das ganze nun abkühlen lassen. Wenn man die Flüssigkeit anschließend langsam ausgießt, bildet sich etwas, das wie Eis aussieht - in den USA auch "Hot Ice" genannt. Kommt die noch warme Flüssigkeit in einen Gefrierbeutel oä, hat man einen wiederverwendbaren (einfach wieder in warmes Wasser legen) Taschenwärmer!

Viele weitere Infos gibt es in diesem PDF von Prof. Dr. Peter Bützer von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen.

4.12.10

Selbsterhitzendes Essen II

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Eine weitere Möglichkeit ohne Feuer zu kochen, ist die exotherme Reaktion von Metallen, wie sie im miltärischen Bereich benutzt wird. Diese MREs  ("Meal, ready to eat") enthalten neben Müsliriegeln und Trockenbrot auch FRHs ("Flameless Ration Heaters"). Die nutzen die Energie, die bei der Oxidation von Magnesium frei wird. Im Grunde ist das der Vorgang des Rostens, bloß mit eingeschaltetem Turbo. Soweit ich weiß, sind neben Magnesiumpulver auch etwas Eisenpulver und Salz mit von der Partie. Das Salz verhindert, dass Alu + Wasser eine oxidationshemmende Schicht ausbilden können. Der Rest ist in jeder Hinsicht eine zündende Kombination, schließlich ergeben Aluminiumpulver + Eisenoxid (Rost) = Thermit, also etwas, das mit 2500-3000° C verbrennt. Und Magnesium + Wasser = Wasserstoff (Knallgas).

Wer sich ein FRH selbst bauen will, braucht also in erster Linie Magnesium. Nun benutzt man im Turn- und Bergsport ebenfalls Magnesiumpulver, doch dieses "Magnesia" ist Magnesiumoxid, ein Lebensmittelzusatzstoff (E 530), der beim Verbrennen von Magnesium übrig bleibt. Ein Oxid ist für unsere Zwecke ungeeignet, das hat ja bereits gebrannt (bzw. wurde oxidiert). Eine andere Magnesiumquelle ist echt ZEUK pur: Bleistiftanspitzer. Die, die aussehen, als wären sie aus Alu, sind meist aus purem Magnesium. Wer jetzt eine Schraubzwinge und eine Metallsäge oder -Feile hat, kann Magnesiumpulver erzeugen. Besser wäre natürlich, wenn man so ein Ding (besser: eine Handvoll) einfach in einen Mixer werfen könnte... Will it blend?? Ich schätze JA! :) Leider kostet Tom Dicksons "Extreme 20 AMP Blender" 1000$. Also am Besten, ihr kauft einen Beutel. Leider gibt's sowas aber meistens nur für Lehrer oder Institutionen. Zum Beispiel bei Carl Roth. Ein halbes Kilo kostet zZt. 27,85€. Magnesiumpulver verkaufen auch Metallpulver.org, Grimm Metallpulver, Omikron oder die Carl Schlenk Ag. Noch ein subversiver und nicht ungefährlicher Tipp am Rande: Diese Magnesium-Anspitzer BRENNEN! Man braucht nur einen sehr heißen Bunsenbrenner. Aber das ist nur etwas für Experten, da das Licht extrem hell, die Hitzeentwicklung enorm und der Brand unlöschbar ist...!
Links zum Thema:

Selbsterhitzendes Essen I

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Im Post "Hydrokollide" erwähnte ich bereits die faszinierenden Einsatzmöglichkeiten von Calciumchlorid. Eine davon ist "selbsterhitzende Nahrung". So greift der Amerikaner gerne mal zu Fertigkaffee, bei dem man einen Knopf am Becherboden eindrückt - nach einigen Minuten hat die Plörre dann eine Temperatur von ca. 60° Grad. Auch die Franzosen haben sowas am Start: Drinkpanic heißt die Marke (Nachtrag: Inzwischen sind die wohl Pleite...)

Im Make: Blog hat jemand ein Instant-Getränk der US-Firma OnTech auseinander genommen (Nachtrag: Auch diese Seite gibt es nicht mehr. Offenbar gab es Probleme mit explodierenden Kaffeebechern!). Es gibt auch einen erklärenden Video von der Firma selbst. Die Entwicklung des Produkts soll 24 Millionen verschlungen haben. Na, die Kohle ging dann wohl zum größten Teil ins Marketing. Denn soooo High-tech ist das wirklich nicht: Salz und Wasser befinden sich in zwei Kammern, die dann vom Konsumenten durch Druck auf eine Membran zusammengemischt werden. Es folgt eine exotherme Reaktion. Den Effekt kann man schon mit ganz normalem Waschsoda erzeugen, allerdings wird diese Lösung nur handwarm. Na, jedenfalls ist die Kochmethode seit 1354 (Dead Link) bekannt und nicht erst seit OnTech. Auf der Seite von Old & Interesting gibt’s dazu ein paar schöne Quellen. Und in diesem Buch wird das Kochen ohne Feuer (“A quire char saunz fu”) im Frankreich des Mittelalters beschrieben.


Was passiert da genau? Calciumchlorid + Wasser erzeugen eine "negative Lösungsenthalpie". Genausogut funktionieren übrigens Calciumoxid + Wasser (siehe Video). So oder so: Salze bestehen aus Kationen und Anionen. Da schlägt auch auf die Namensgebung durch: Erst kommt das Kat- dann Anion. Also Calcium = Kation, Chlorid = Anion. Ionen sind elektrisch geladenen Atome (die ja "normalerweise" aus gleich vielen  Elektronen (-) und Protonen (+) bestehen). Kationen haben weniger Elektronen als Protonen, sind daher positiv geladenen. Und sie heißen KATionen, weil positiv geladene Ionen während einer Elektrolyse immer zur negativ geladenen Kathode wandern. Bei Anionen ist es anders herum. Yo, das ist einer der Gründe weshalb ich Chemie hasste: Immer diese verwirrenden Umstände - Kationen sind positiv, eine Kathode aber negativ... Und es wird noch besser: Bei freiwillig ablaufenden Redoxreaktionen, wie beim Entladevorgang von Batterien, ist die Kathode die positive Elektrode. Bei einer durch angelegte Spannung erzwungenen Redoxreaktion, wie der Elektrolyse, ist die Kathode die negativ polarisierte Elektrode. Grrr...

Wird Salz in Wasser aufgelöst, verrichten die Wassermoleküle an dem Kristallgitter des Salzes "Lösungsarbeit". Wasser ist ein Dipol, es hat einen negativen Pol (O-Atom) und einen positiven Pol (die beiden H-Atome). Und die lagern sich nun an die Ionen des Salzgitters an. Das ist übrigens ein physikalischer Vorgang und kein chemischer. Die Ionen am Rande des Kristallgitters werden so von Wassermolekülen aus dem Gitter herausgelöst und von ihnen umhüllt. Wenn sich Wassermoleküle an Ionen anlagern, wird Energie freigesetzt ("Hydrationsenergie"). Ist die Hydrationsenergie größer als die Gitterenergie, die die Salzionen zusammenhält, tritt eine Erwärmung des Salz-Wasser-Gemischs ein, das Salz ist leicht löslich, die Gitterenergie wird in Form von Wärme freigesetzt.

Mancher Bauer fackelte so seinen Stall ab - ungelöschter Kalk (Calciumoxid) wird auch heute zur Desinfektion ausgebracht. Zusammen mit der Feuchtigkeit im Stroh und/oder dem Urin der Tiere erreicht man bis zu 180° Celsius - mehr als genug, um die Feuerwehr auf den Plan zu rufen.

Wenn man statt wasserfreiem Calciumchlorid jedoch Calciumchlorid-Hexahydrat nimmt (also Calziumchlorid mit Kristallwasser) kühlt die Lösung ab. Dieses Salz löst sich schlechter in Wasser, es wird mehr Energie benötigt, um das Kristallgitter zu knacken. Und diese Energie wird der Umgebung entzogen. Mehr zu diesem Thema gibt's im Posting "Kältemischungen".

Die Dame (Video down) Der Kamerad im Video benutzt Calciumoxid, CaO, auch Branntkalk genannt. Der entsteht, wenn man stinknormale Kreide auf mindestens 800° erhitzt. Das Kohlendioxid entweicht dabei. Mehr zurm Thema "Feuer-frei" gibt's im Posting Selbsterhitzendes Essen II (hey, das reimt sich!)

    3.12.09

    DIY Brennpaste

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    Seit einigen Jahren kann dank rauchfreier Kamine auch in Sozialwohnungen endlich Landhausatmo aufkommen. Die dafür notwendige Brennpaste gibt's eigentlich schon seit 1900, als STERNO patentiert wurde. Und das jedem Soldaten bekannte ESBIT (Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform) existiert seit 1932. Nun hat sich halt ein Marketing-Fuzzi das passende Lifestyle-Produkt drumrum ausgedacht. Putzig ist auch dieser "Dosenkamin" (24 Pack Fire Glo Gel Fuel | SkyMall), obwohl ich damit eher Rap-Videos der 80er Jahre assoziiere):

    So oder so - das Prinzip ist leicht nachvollziehbar: Die Brennpaste besteht zum großen Teil aus Ethanol, was Alkohol ist, welcher nun Mal rauchfrei verbrennt (Stichwort: Feuerzangenbowle). Und deshalb ist auch ein Kaminchen für den Schreibtisch schnell selbst gebastelt: Aus 6 g Calciumacetat (Ca(H3CCOO)2, das Calciumsalz der Essigsäure) und 20 ml Wasser eine gesättigte Lösung anrühren, anschließend recht zügig 100 ml Brennspiritus (ja, das ist auch nichts anderes als Alkohol) zugeben. Sofort kristallisiert das Calciumacetat wieder (seine Löslichkeit ist im Wasser/Alkohol-Gemisch niedriger als in reinem Wasser) und es bildet sich ein brennbares Gel. Hier gibts ein paar Bilder und weitere Infos. Ein naher Verwandter der Brennpaste ist übrigens das Gel in den Taschenwärmern.
    Auch die Herstellung von Calciumacetat ist keine Zauberei. Dazu einfach Eierschalen in Essig auflösen (theoretisch). Oder dieses Rezept verwenden:. Kalk (= Calciumcarbonat) + Essigessenz (aus dem Supermarkt) = Calciumacetat. Dann kommt wieder Spiritus dazu.

    14.6.09

    Induktion

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    Da sieht man mal, was mit der guten alten elektromagnetischen Induktion (1831 von Michael Farady entdeckt) anstellen kann. Zur Erinnerung: 1820 bedient sich der Däne Hans Christian Oersted bei den relativ unbekannten Forschungsarbeiten des Italieners Gian Domenico Romagnosi und gilt seither als Entdecker des Elektromagnetismus: Elektrizität fließt durch einen Draht der um einen Eisenstab gewickelt wurde = Magnet („Strom erzeugt Magnetfeld“). Die ersten Elektromagnete stellte dann der Brite William Sturgeon 1826 her. Landsmann Faraday bemerkte, dass es auch umgekehrt funktioniert: Eine Drahtspule und ein Magnet + Bewegung = Elektrizität („Magnetfeld erzeugt Strom“). Ehemaliges MIT Projekt: WiTricity

    1.11.08

    Kunststoff aus Milch

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    Es ist immer wieder erstaunlich, welches High-Tech-Potential ganz einfachen Gegenständen innewohnt. Selbst so etwas profanes wie Milch kann mit etwas Forschergeist völlig neuen Anwendungszwecken zugeführt werden: Beispielsweise fanden die Chemiker Adolf Spitteler und Ernst Krische 1897 heraus, dass man aus dem in der weißen Flüssigkeit enthaltenen "Casein" Kunststoff herstellen kann. Und der wurde bis in die 1930er Jahre auch kommerziell hergestellt. (hier eine englische Seite mit ein wenig Historie).

    Dazu reichen im Grunde 1 Liter heiße Milch und 4 Esslöffel Essigessenz. Kommerzielles Casein-Plasitk, u.a. "Galalith" genannt, wird zudem mit Formaldehyd behandelt. Doch die Entdeckung, dass aus Milch erst Quark, dann Käse, dann gar nicht künstlicher Kunststoff wird, dürfte viel älter sein. Überliefert ist, dass auch schon die Fugger sogenanntes Kunsthorn aus Käse herstellten. Nur dass es damals eben keine Patentämter gab.

    Als Bindemittel dürfte es schon seit der Steinzeit Verwendung finden, Zitat Seilnacht.com: "Vermutlich wurde Milcheiweiß bereits bei den Höhlenmalereien als Bindemittel benutzt. Vom Malen mit Erdfarben und Milcheiweiß aus Quark wird in althebräischen Texten berichtet. Mit Caseinleim, der aus Quark und Kalk hergestellt wurde, fertigten ägyptische und chinesische Handwerker Tischlerarbeiten an. Caseinmörtel, ein Gemisch aus Quark, Sand und gelöschtem Kalk wurde zum Bau von Gebäuden und später auch von Kirchen verwendet. Die Wandgemälde der Sixtinischen Kapelle und viele Innen- und Außenfreskos der Kirchenmaler verdanken ihre Haltbarkeit der Caseintechnik. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war seine Verwendung zur Herstellung von Holzleim ein großes Anwendungsgebiet, Färber benutzten es als Bindemittel zum Färben von Leder und Stoffen."

    Auf den Seiten der Uni Münster gibt es ein PDF mit Details zur Herstellung von Casein-Kunststoff (und auch Milch-Kleber!). Und auf dieser Seite stellt jemand Milchkleber mit Natron bzw. Backpulver her.